1. Hintergrund
Führerscheinneulinge haben ein wesentlich höheres Unfallrisiko. Obwohl 18-24 jährige Fahranfänger ca. 12 % aller Führerscheininhaber ausmachen, sind sie an über 35 % der Unfälle mit tödlichem Ausgang schuld. Fahranfänger überschätzen oft ihr eigenes Fahrkönnen und beurteilen aufgrund mangelnder Erfahrung kritische Situationen oft falsch. Der Gesetzgeber unternimmt nun mit der zweiten Stufe der Fahrausbildung seit Januar 2004 den Versuch diesen Zustand zu ändern.
Das Freiwillige Fortbildungsseminar für Fahranfänger (FSF) wird in einem Modellversuch angeboten. Die Bundesländer können selbst über die Teilnahme entscheiden. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wird das FSF bis auf weiteres nicht angeboten, alle anderen Bundesländer nehmen am Modellversuch teil.
Wie der Name schon sagt ist das FSF freiwillig. Die erfolgreiche Teilnahme verkürzt die normale Probezeit von 2 Jahren auf 1 Jahr und die verlängerte Probezeit von 4 Jahren auf 3 Jahre. Damit der Fahranfänger einen optimalen Schulungserfolg bei dem Fortbildungsseminar erzielt und gleichzeitig den vollen "Rabatt" bei der Probezeit bekommt, sollte er etwa ein halbes Jahr nach Erhalt seines Führerscheins mit dem Freiwilligen Fortbildungsseminar für Fahranfänger (FSF) in der Fahrschule beginnen. In der kann nach Fahrschulen gesucht werden, die FSF-Kurse anbieten.
2. Ablauf:
Das Freiwillige Fortbildungsseminare für Fahranfänger (FSF) gliedert sich in fünf verschiedene Teile, die in der Regel an fünf verschiedenen Tagen in einem Zeitraum von 2-8 Wochen absolviert werden. In allen Teilen des FSF-Kurses geht es um den Fahranfänger und sein Fahrverhalten.
a) Theorie
Die ersten drei Teile sind Gesprächsrunden und werden in Gruppen von 6 bis 12 Teilnehmern unter der Moderation eines speziell ausgebildeter Fahrlehrers durchgeführt. Themen sind die Erlebnisse des Fahranfängers im Straßenverkehr und Probleme, Wünsche und Ängste, die daraus resultieren.
b) Beobachtungs- und Übungsfahrt
Der vierte Teil des Fortbildungsseminars besteht aus einer Übungs- und Beobachtungsfahrt mit dem Fahrlehrer. In der Regel werden solche Übungs- und Beobachtungsfahrten mit dem Fahrschulauto in Gruppen mit 2 bis 3 Seminarteilnehmern zusammen mit einem Fahrlehrer durchgeführt. Jeder Teilnehmer fährt selbständig mindestens 60 min und hat die Möglichkeit Situationen zu (er-)fahren, die er selbst als kritisch erlebt hat oder wo er sich unsicher ist. Der Fahrlehrer wird zusammen den anderen Teilnehmern erklären, was ihm an der Fahrweise der Fahranfängers auffällt und was möglicherweise besser gemacht werden kann.
c) Sicherheitstraining
Im letzten Teil des Fortbildungsseminars wird der Umgang mit Gefahrensituationen im Verkehr trainiert. Das Sicherheitstraining findet in einer Gruppe unter Anleitung eines Moderators auf einem Sicherheitstrainingsplatz statt. Geübt wird das Verhalten im Grenzbereich, das sich im öffentlichen Straßenverkehr gar nicht oder nur schwer simulieren läßt, wie zum Beispiel Bremsen auf Glätte oder stark unterschiedlichem Straßenbelag oder Bremsen und Ausweichen vor einem Hindernis oder Kurventechnik und Slalomfahrt. Hier soll der Fahranfänger lernen, sein Fahrkönnen richtig einzuschätzen und im Ernstfall auf der Straße richtig zu reagieren.
3. Kosten/Nutzen
Die Kosten für das freiwillige Fortbildungsseminar können von den Fahrschulen und den Betreibern der Sicherheitstrainingsplätze frei kalkuliert werden. Ein Preisvergleich lohnt sich deshalb immer. Fahrschule.de geht davon aus, dass ein komplettes Fortbildungsseminar für Fahranfänger nicht mehr als 300,00 EUR kosten wird. Wer denkt, dass das zu teuer ist, dem empfehlen wir die Suchfunktion unseres Forums mit dem Suchbegriff "Probezeit". Ein Jahr im Straßenverkehr ist sehr lang und jeder weiß wie leicht ein A-Verstoß oder 2 B-Verstöße passieren. Auf die "Ersparnis/Rettung des eigenen Lebens", weil man in einer Gefahrensituation richtig reagiert hat, wollen wir hier nicht weiter eingehen. Das kann sich jeder selbst ausmalen.